Olbernhau ist seit 100 Jahren am Ball
Fußballverein zählt heute 261 Mitglieder - Zwei ehemalige DDR-Nationalspieler stammen aus der Stadt der sieben Täler
Von Matthias Leipnitz

Olbernhau. Mit einer Festwoche wird ab kommenden Freitag das Jubiläum 100 Jahre Fußball in Olbernhau gefeiert. Ein Knaller der Feierlichkeiten ist am 10. Juli das Freundschaftsspiel zwischen der SV Olbernhau (Bezirksklasse) und dem FC Erzgebirge Aue (2. Bundesliga). Der Anstoß zu dieser Partie im Stadion an der Blumenauer Straße erfolgt 18 Uhr.
Die Geschichte des runden Leders in Olbernhau geht zurück auf junge Angestellte eines Rechtsanwaltes. Sie hatten vor 100 Jahren den Entschluss gefasst, den organisierten Fußballsport in Olbernhau zu etablieren. Am 23. Juni 1907 wurde in der ehemaligen Gaststätte Zur Kegelschmiede der FC Sturm als erster Fußballverein der Stadt gegründet. Gespielt wurde damals auf dem heutigen Gessingplatz. Mit der Ausweitung der sportlichen Möglichkeiten auf andere Leibesübungen wurde aus dem FC der Verein für Bewegungsspiele (VfB) Olbernhau. Schon 1914 entstand durch eine Fusion aus dem VfB die Sportvereinigung Olbernhau (SVO). Der anschließend beginnende 1.Weltkrieg hinterließ tiefe Spuren im Verein. Dennoch standen schon 1919 fünf Herren-, drei Jugend- und zwei Knabenmannschaften wieder im Spielbetrieb. 1920 gründete sich aus dem Verein unter dem Namen "Frei Sport" eine selbstständige Fußballabteilung aus.
Mit Unterstützung der Stadtverwaltung wurde unweit des Gessingplatzes (heute Gelände Penny-Markt) durch die Mitglieder der SVO ein Fußballplatz angelegt. Die Mitglieder von "Frei Sport" erwarben ein Gelände an der Blumenauer Straße und errichteten dort mit Hilfe vieler Arbeitsloser einen Platz. Seine Übergabe erfolgte 1927. Gespielt wurde damals noch quer zur Straßenführung. Erst 1930 ist der Platz, wie noch heute in der Grundform erhalten, in Längsrichtung angelegt worden. Gespielt wurde damals unter anderem in Brand-Erbisdorf, Chomutov und Litvinov. Die Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus ließ "Frei Sport" verschwinden. Nach dem Spieljahr 1938/39 stieg die SV Olbernhau in die Bezirksklasse auf. Der Spielbetrieb wurde wegen des 2. Weltkrieges wenig später allerdings eingestellt.
Im August 1945 formierte sich die Sportgemeinschaft (SG) Olbernhau. Mit der Herausbildung von Betriebssportgemeinschaften (BSG) wurde aus der SG über die BSG Konsum und BSG Empor 1953 die BSG Stahl Olbernhau. Höhepunkt in dieser Zeit war ein Spiel gegen die damalige Oberligamannschaft von Wismut Aue, das 4000 Zuschauer sahen. 1956 gelang Stahl der Aufstieg in die Bezirksliga. Die Bilanz zum 50-jährigen Bestehen: Erste Mannschaft in der Bezirksliga, zweite Mannschaft in der 1. Kreisklasse, im Nachwuchsbereich eine Jungligamannschaft, eine Juniorenmannschaft und je zwei Jugend- und Schülermannschaften. Mit knapp 150 Mitgliedern in der Sektion Fußball war die BSG Stahl mit insgesamt 480 Mitgliedern immer einer der größten Vereine der Stadt. Mit Rudi Leber (Empor Rostock) und Hans Richter (Lok Leipzig) kamen sogar zwei DDR-Nationalspieler aus Olbernhau.
Am 7. März 1991 wurde die traditionsreiche SV Olbernhau neu gegründet. Ihr gehören heute 261 Mitglieder an. Die erste Mannschaft spielt in der Bezirksklasse, die zweite in der 2. Kreisklasse.

So hat alles begonnen: Der FC Sturm Olbernhau war 1907 die erste organisierte Fußballmannschaft der Stadt. Fotoatelier Hermann Schmidt